recalculating
LOADING 0%
EN | DE

SEA-WATCH e.V. PRÄSENTIERT

DAS EXPERIMENT

FILM ANSEHEN

DIE WAHRHEIT

5 BEWEGENDE GESCHICHTEN -
DIE AUTHENTISCHE BASIS FÜR DAS EXPERIMENT

Mehr
erfahren

DER VERSTAND

EMPATHIE IST DER SCHLÜSSEL -
EIN PSYCHOLOGE ERKLÄRT 

Mehr
erfahren

DAS BOOT

STELLVERTRETER -
EIN PERSPEKTIVWECHSEL 

Mehr
erfahren

DER FILM

EMOTIONEN WECKEN -
EIN REGISSEUR UND SEINE VISION

Mehr
erfahren

DER WANDEL

EIN MENSCHENLEBEN IST UNBEZAHLBAR, SEENOTRETTUNG NICHT.
SPENDE JETZT FÜR SEA-WATCH.

DAS WAR DER
SCHLIMMSTE TAG MEINES LEBENS.

Khadra (18)

Mein Name ist Khadra, ich bin 18 Jahre alt. Ich bin aus Somalia nach Europa geflohen. Mit dem Boot. Meine Heimat habe ich im Mai 2016 verlassen. Ich bin durch Äthiopien und den Sudan nach Libyen und dann endlich nach Italien gereist. Es war sehr früh, gegen 5 Uhr morgens. In absoluter Dunkelheit. Ich bin mehrfach hingefallen. Alle sind zum Boot gerannt. Ich selbst konnte nicht rennen, ein anderer Junge hat mir geholfen zum Boot zu gelangen. Es waren ungefähr 300 Leute, das Boot war sehr klein. Wir waren 23 Stunden auf dem Boot. Das Wetter war nicht sonderlich gut. Es war sehr windig und hoher Wellengang. Alle schrien, Schwangere und Kinder, alle schrien: „Wir brauchen Essen. Wir brauchen etwas zu Trinken.“ Außer Wasser habe ich nichts gesehen. Von links nach rechts, soweit das Auge reicht: Nur Wasser. Ein trauriger Anblick. Irgendwann habe auch ich die Hoffnung verloren, ich dachte ich wäre schon gestorben, ich dachte ich würde diese Welt nie wieder sehen. Aber dann war da ein Schiff. Niemand starb auf unserem Boot.

Alle wurden gerettet.

FÜR MICH WAREN 36 STUNDEN
WIE 36 JAHRE.

Ali Ahmed (49)

Ich bin Ali Ahmed. Ursprünglich komme ich aus dem Sudan. 2012 habe ich das Meer nach Italien überquert. Wir hatten keine andere Wahl: Wir mussten über das Mittelmeer nach Italien. Unser Überleben lag nicht in unseren Händen. Das Boot ist kein gutes Boot. Ein überfülltes Boot. Nur ein paar Leute hatten eine Rettungsweste. Damit das Boot im Gleichgewicht bleibt, muss man sehr vorsichtig sein. Wir müssen es nach Italien über das Meer schaffen. Wir waren ungefähr 36 Stunden auf See. 36 Stunden saß ich in der Mitte des Bootes. Sechs Stunden der Reise war gutes Wetter. Der Rest: schlechtes Wetter. Das Wasser hat sich verändert. Viele Wellen und starker Wind. Wir haben die Orientierung verloren. Wir haben nur eine Farbe gesehen – Himmel wie Wasser. Man sieht nie Irgendetwas, keine Menschen, man sieht keinen Baum, kein Haus, kein Auto – es ist vorbei. Die Leute weinten, lachten, verlieren den Verstand. Man ist nicht mehr Herr der Lage. 36 Stunden in Gefahr. 36 Stunden habe ich Dinge gesehen, die ich mir nie hätte vorstellen können. Man sieht noch einmal sein ganzes Leben vor sich. Weil man denkt, man wird sterben. Für mich waren 36 Stunden wie 36 Jahre.

Wir wurden alle gerettet.

VON DEM BOOT,
DAS EINEN TAG VOR UNS NACH EUROPA GEFAHREN IST,
HAT KEINER ÜBERLEBT.

Muhannad (26)

Ich bin Muhannad. Ich bin 26 Jahre alt. Ich komme aus Syrien. 2014 ging es auf das Boot. Ein Uhr in der Nacht mussten wir auf den Strand laufen. Dann mit einem kleineren Boot zu einem Größeren. Das Meer war klar, keine Wellen. 17-18 Stunden nichts als Wasser. Mein erster Gedanke: Wir werden Europa nicht erreichen. Entweder tot in Libyen oder tot im Meer. Nach 18 Stunden Bootsfahrt waren wir immer noch in libyschen Gewässern. Dann sind wir noch einen Tag auf dem Boot geblieben. Das ist meine letzte Stunde, das ist mein letzter Tag, dachte ich mir. Wir waren 400 Menschen auf dem Boot, viele Kinder, kaum Wasser. Nur wenige Leute hatten Hoffnung, aber wir wollten nach Europa. Ich kann nicht beschreiben wie die Kinder schreien. Keine Wellen am Anfang, nach 10-12 Stunden kamen die Wellen. Das schlimmste auf dem Boot? Viele Leute haben sich übergeben. Man sieht nur Wasser, viele wurden seekrank. Im März war es kalt, wir hatten wenig Kleidung. Jeder sagt heute, wir reisen. Wir hingegen sind in einem kleinen Boot nach Europa gereist. Das war unvorstellbar. Wenn uns keiner rettet werden wir nicht nach Europa kommen. Von dem Boot das einen Tag vor uns nach Europa gefahren ist hat keiner überlebt.

Auf dem Boot, auf dem ich war, haben alle überlebt.

WIE KOMME ICH DENN BITTE NACH EUROPA?
DAS IST UNMÖGLICH.

Merhawi (20)

Mein Name ist Merhawi, ich komme aus Eritrea und ich bin 20 Jahre alt. Ich habe Eritrea Ende 2014 verlassen, da war ich 15 Jahre alt. Ich bin in den Sudan geflohen, dann weiter nach Libyen. Mit kleinen Booten wurden wir zu einem großen Boot gebracht. Dort kommt man mit einem Seil hoch. So sind wir in das Boot eingestiegen. Als ich in das Boot eingestiegen bin dachte ich, ich überlebe das nicht, ich sterbe sowieso. Wir waren um die 300 Leute. Wir mussten still bleiben und die Waage halten, weil das Schiff immer wackelte. Die Hoffnung war weg. Fast alle an Bord hatten die Hoffnung verloren. Da weinen die Leute, viele beten… das war die Hölle. Wie komme ich denn bitte nach Europa? Das ist unmöglich. Wir sind einen Tag und eine Nacht gefahren. Es war gutes Wetter, wir waren aber nicht beruhigt. Nachts war es richtig kalt. Die Hände werden taub, wie Stein. Ich sehe das Boot wackelt jede Minute. Ich habe nur gewartet wann das Boot untergeht. Das kippt um! Für mich war das Ende da. Fertig und aus für mich. Entweder stirbt man oder man überlebt.

Alle auf unserem Boot haben die Reise überlebt, alle wurden gerettet.

ES GIBT GESCHICHTEN
DIE SIND DEUTLICH SCHLIMMER
ALS MEINE

Saher (30)

Mein Name ist Saher, Ich komme aus Syrien. Ich bin 30 Jahre alt. Meine Reise begann im August 2015. Ich floh mit dem Boot von der Türkei nach Europa. Wir mussten zum Boot schwimmen. Für die Leute die nicht schwimmen konnten war das besonders angsteinflößend. Das Boot war neun Meter lang und für 40 Passagiere ausgelegt. Wir waren 52. Jeder hat um sein Leben gekämpft. Ich konnte meine Beine nicht spüren. Schon nach einer kurzen Weile. Es gab keinen Platz, um sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Es waren so starke Wellen. Für dieses Boot hätte auch schon eine kleine Welle gereicht um es zu beschädigen. Auf diese Art zu „reisen“ – dafür gibt es nicht wirklich die richtigen Worte. Es war sehr unheimlich da man nicht sah wo man hinfuhr. Die größte Lüge war, dass man uns sagte, die Reise würde nur eine halbe Stunde dauern. Ich war so zuversichtlich als die Reise begann. Aber ich verlor die Hoffnung schon bald. Ich betete, ich betete die ganze Zeit. Wenn man nichts zu verlieren hat, macht man verrückte Dinge um wieder leben zu dürfen. Ich wollte wieder leben dürfen. In diesem Boot zu sein war mit Abstand der schlimmste Moment meines ganzen Lebens. Ich werde ihn niemals vergessen können. Es gibt Geschichten, die sind deutlich schlimmer als meine. Gerettet zu werden war ein Lichtblick in all dieser Dunkelheit.

Alle auf unserem Boot wurden gerettet.

DER PERSPEKTIVWECHSEL IST FUNDAMENTAL WICHTIG.

Michael Thiel (59)

Mein Name ist Michael Thiel, ich bin seit über 30 Jahren Diplom-Psychologe und habe dieses Experiment begleitet. Der Schwerpunkt meiner Tätigung liegt auf Stress- und Angstbewältigung. Was ich im Alltag merke ist, dass das Thema Menschenrettung im Mittelmeer nicht mehr aktuell ist, es findet nicht mehr in den Medien statt. Und deswegen ist dieses Experiment so wichtig: Wir versuchen mit ganz normalen Leuten hier aus Deutschland eine annähernd ähnliche Situation nachzustellen. Weil dieses Experiment mit Menschen aus unserem Kulturkreis stattfindet, habe ich die Hoffnung, dass die Zuschauer sich einfacher identifizieren können. Und das ist der Kern des Experimentes für mich: die Fähigkeit Empathie wieder freizulegen. Psychologische Studien zeigen, dass unsere Hilfsbereitschaft steigt, wenn wir mit dem Anderen mitfühlen können. Zentral in diesem Experiment ist der Perspektivwechsel: Das heißt Menschen in eine ähnliche Lage wie Flüchtlinge zu bringen und damit die Situation der Flüchtenden besser zu begreifen. Erst begreifen die Teilnehmer, dann begreifen die Zuschauer. Dieses Experiment kann das freilegen, was Menschen ausmacht: die Möglichkeit zum Mitfühlen.

WENN MAN BEDENKT, MAN IST TEILWEISE TAGELANG UNTERWEGS: UNVORSTELLBAR.

JE LÄNGER MAN IN DIESEM BOOT SASS, DESTO KLARER IST MAN SICH GEWORDEN, WIE SCHLIMM DAS SEIN KANN.

ICH HABE EIN BESSERES VERSTÄNDIS DAFÜR BEKOMMEN, IN WAS FÜR EINER NOTSITUATION MAN SICH BEFINDEN MUSS, UM SO EIN GROSSES RISIKO EINZUGEHEN.

MAN HAT SICH EINSAM UND ALLEIN GEFÜHLT.

MIT KINDERN WÄRE DAS GANZE GAR NICHT AUSZUHALTEN GEWESEN.

WENN MAN BEDENKT, MAN IST TEILWEISE TAGELANG UNTERWEGS: UNVORSTELLBAR.

JE LÄNGER MAN IN DIESEM BOOT SASS, DESTO KLARER IST MAN SICH GEWORDEN, WIE SCHLIMM DAS SEIN KANN.

ICH HABE EIN BESSERES VERSTÄNDIS DAFÜR BEKOMMEN, IN WAS FÜR EINER NOTSITUATION MAN SICH BEFINDEN MUSS, UM SO EIN GROSSES RISIKO EINZUGEHEN.

MAN HAT SICH EINSAM UND ALLEIN GEFÜHLT.

MIT KINDERN WÄRE DAS GANZE GAR NICHT AUSZUHALTEN GEWESEN.

MIT HERZ STATT KOPF.

Skye Fitzgerald (49)

Mein Name ist Skye Fitzgerald. Ich bin der Regisseur von „LIFEBOAT“ und von „LIFEBOAT - Das Experiment“. Ich habe zwei Wochen an Bord einer Such- und Rettungsmission von Sea-Watch verbracht und dort die Flüchtlingsströme an der südlichen Grenze der EU erlebt. Diese Erfahrungen habe ich in dem Film „LIFEBOAT“ festgehalten. „LIFEBOAT – Das Experiment“ ist ein Paradebeispiel dafür, Menschen auf eine kraftvolle emotionale Art zu bewegen. Mit Herz statt Kopf. Wenn wir versuchen uns in die Lage der Flüchtenden zu versetzen und uns selbst auf diese Reise zu begeben, dann berührt uns das auf eine völlig andere Art und Weise. Das Experiment beobachtet ca. 40 Europäer in einer Wellenanlage wie sie einen winzigen Eindruck davon erhalten haben, wie sich eine Reise über das Mittelmeer anfühlen kann. Wir haben den gesamten Ablauf unter äußerst kontrollierten Bedingungen dokumentiert und das Ergebnis ist meiner Meinung nach, fundamental tiefgreifend: Der Versuch zeigt wie Teilnehmer begreifen und verstehen, was es bedeutet, eine solch unfassbar gefährliche Reise auf sich zu nehmen. Auch wenn es nur für einen Bruchteil der eigentlichen Zeit war. Teilnehmer haben begonnen anders darüber zu denken, anders darüber zu reden. Diese Gespräche und dieser Dialog wird sich fortsetzen, über Tage, Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre.

DAS EXPERIMENT

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung bleibt das Mittelmeer auch 2019 die tödlichste Grenze der Welt: Eine aus 10 Personen stirbt bei einem Fluchtversuch über das zentrale Mittelmeer. Wäre das auch so, wenn die Schiffbrüchigen weiße Deutsche wären?

Sea-Watch ist eine gemeinnützige Seenotrettungsorganisation, die seit 2015 an der Rettung von mehr als 37 000 Menschen beteiligt war. In Zusammenarbeit mit Geflüchteten, die Europa über das Mittelmeer erreicht haben, wurde ein Versuchsaufbau konzeptioniert: Angelehnt an eine Flucht über das Mittelmeer, ließen wir Deutsche unter kontrollierten Bedingungen eine Simulation durchleben. Unter möglichst realitätsnahen Bedingungen wurde der Versuch unternommen, mit einer solchen Flucht verbundene Strapazen und Gefahren anzureißen. Es entstand „LIFEBOAT – Das Experiment“.

Der Versuchsaufbau macht die Notwendigkeit der Seenotrettung, die heute lediglich von Spenden finanzierten Hilfsorganisationen wie Sea-Watch übernommen wird, am eigenen Leib erfahrbar. Auch wenn „LIFEBOAT - Das Experiment“ höchstens einen Hauch der Ungewissheit spüren lässt, der Flüchtende auf dem Mittelmeer ausgesetzt sind, wird doch ein Perspektivwechsel möglich. „LIFEBOAT - Das Experiment” wurde von allen beteiligten Dienstleistern pro bono durchgeführt. Für die Produktion flossen keinerlei Spendengelder. Das Experiment schafft Empathie und Gehör für die, die von Europas tödlicher Grenzpolitik betroffen sind.

Eine neue Perspektive auf eine der größten humanitären Krisen unserer Zeit. Eine Anregung zum Umdenken.

Hier Pressemappe herunterladen

und Sea-Watch e.V. unterstützen.

/